Verantwortung und Vertrauen

Herbert Rosenstingl, Leiter der BuPP, die im Familienministerium für Kinder empfehlenswerte Spiele auszeichnet, über positive Effekte von Spielen, Alterskennzeichnungen und respektvollen Umgang untereinander.

Zu Spielen gibt es zwischen Angst vor den Auswirkungen von Gewalt in Spielen bis zur kompletten Verharmlosung jede Meinung. Was stimmt denn nun?

Es gilt, was in allen Erziehungsfragen gilt: Verantwortung und Vertrauen! Kein Kind, kein Teenager wird durch Computerspiele gewalttätig oder gar zu einem Amoklauf inspiriert. Aber natürlich gibt es Spiele, die nicht für jedes Alter geeignet sind. Darüber gibt die Jugendschutzkennzeichnung eine erste, wichtige Auskunft. Diese auch zu Hause zu beachten hilft sicherzustellen, dass beispielsweise jüngere Kinder nicht durch beängstigende Darstellungen verunsichert werden. Mindestens genauso wichtig ist es, mit den Kindern über die Spiele zu reden oder am besten auch mal gemeinsam zu spielen. So kann nicht nur abgeschätzt werden, ob das Spiel Angst macht und wie das Spiel erlebt wird, das Gespräch schafft auch die Vertrauensbasis, die es ermöglicht andere wichtige Themen anzusprechen. Exzessives oder süchtiges Spielen hat nämlich seine Ursache nicht in den Spielen, sondern in Problemen im Alltag.

PEGI, USK, BuPP – und alle bewerten Spiele. Wer ist wofür zuständig?

PEGI und USK vergeben Kennzeichnungen nach Gesichtspunkten des Jugendschutzes, die BuPP prädikatisiert empfehlenswerte Spiele. Konkret bedeutet eine Altersangabe von PEGI oder USK, dass ab diesem Alter keine Beeinträchtigung der Entwicklung der Spielenden zu befürchten ist. Die europäische PEGI-Kennzeichnung gibt zudem darüber Auskunft, in welchen Bereichen eine mögliche Beeinträchtigung für Jüngere liegt. Wenn ein Spiel von der BuPP empfohlen wird, so bedeutet dies, dass das Spiel Spaß macht, Eltern sich keine Sorge über problematische Inhalte machen müssen und dass das Spiel sogar in dem einen oder anderen Bereich Förderpotential bietet. Diese positiven Aspekte können von der Förderung der Reaktionsgeschwindigkeit bis hin zu logischem und strategischem Denken reichen, von der Förderung sprachlicher Fähigkeiten bis zu Teamwork und Kooperation.

Warum arbeiten die verschiedenen Institutionen nicht zusammen? Wie könnte so ein Szenario aussehen?

Eine Zusammenarbeit beziehungsweise ein Austausch auf fachlicher Ebene zwischen den drei Einrichtungen besteht. Formell ist es derzeit jedoch nicht möglich, ein gemeinsames Kennzeichnungssystem anzubieten, da die USK per Gesetz in Deutschland tätig ist, während PEGI als europäisches System der Selbstkontrolle eingerichtet ist. Vorstellbar wäre allerdings, dass die Systeme in den nächsten Jahren zusammenwachsen und beispielsweise die PEGI-Kennzeichnung nach Anpassungen grundsätzlich für Deutschland übernommen wird, die USK aber dem System eine kommissionelle Kontrolle hinzufügt. Die BuPP schließlich könnte die vorhandene Kennzeichnung von möglichen Problembereichen um eine Kennzeichnung positiver Aspekte der Spiele erweitern.

Warum sind die BUPP-Empfehlungen oft höher / älter eingestuft als die der PEGI?

Der Unterschied liegt in der Aufgabenstellung: PEGI informiert, ab welchem Alter ein Spiel „bedenkenlos“ ist, die BuPP aber darüber, ab welchem Alter das Spiel empfehlenswert ist. Klar, dass eine komplexe Wirtschaftssimulation Volksschulkinder nicht in ihrer Entwicklung beeinträchtigt, spielen können sie das Spiel aber nicht.

Welche positiven Effekte kann das Spielen von Computerspielen haben?

Computerspiele machen Spaß - das alleine ist eine positiver Effekt! Darüber hinaus können Spiele viele Fähigkeiten fördern. Das bezieht sich jedoch immer nur auf das, was IM Spiel gefragt ist. Niemand kann durch das Spielen einer Tennis-Simulation zum Tennis-Profi werden, so wie auch niemand durch ein Mafia-Spiel zum Auftragsmörder wird. Ein Transfer - also ein Nutzbarmachen des IM Spiel Gelernten - muss von außen angeregt werden.

Wie kann man die Kindersicherungen in den aktuellen Konsolen möglichst sinnvoll einsetzen?

Das ist vergleichbar mit Sicherheitsgurten im Auto: Sie können nur helfen, wenn sie auch verwendet werden und wir wünschen uns, dass wir sie niemals benötigen! Das bedeutet, dass es zunächst einmal wichtig ist, dass die Eltern die Konsole „installieren“ und nicht die Kinder. Bequemlichkeit und die Scheu vor „Technik“ sollten keine Ausreden sein - die Jugendschutzeinstellungen sind bei allen Geräten relativ einfach und schnell vorgenommen. Klar ist aber, dass auch die „sichersten“ technischen System zu Hause keinen Einfluss darauf haben, was woanders gespielt wird. Daher ist festzustellen, dass der beste und sicherste Jugendschutz die Stärkung der Persönlichkeit und der Eigenverantwortung des Kindes bzw. Jugendlichen darstellt. Basis dafür sind ein offener und respektvoller Umgang miteinander, Anteilnahme sowie Vertrauen.

Die BuPP ist Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend. Weiter Informationen unter www.bupp.at

Aktuelle Empfehlungen der BuPP:

Ice Age 3
Activision / Jump & Run / PS3, PS2, PC, DS, Wii, Xbox360
„Insgesamt kann das Spiel mit abwechslungsreichen Aufgaben und einer altersgerechten Gestaltung überzeugen und wird daher für Spielende ab 8 Jahren empfohlen.“

EA Sports Grand Slam Tennis
EA / Tennissimulation / Wii
„Insgesamt wird „Grand Slam Tennis“ trotz mancher Frustmomente zu Beginn aufgrund seines hohen „Spaß-Potentials“ von der BuPP für Spielende ab 10 Jahren empfohlen.“

Ghostbusters
Sony / Geisterjagd-Action / PS3, PS2, PC, DS, Wii, Xbox360
„Da das Spiel aber trotz des allgegenwärtigen Humors gruselig bleibt, sollte die Jugendschutzfreigabe „ab 12“ beachtet werden. Das Spiel hat keine wirklichen Schwächen und bietet – vor allem für Fans der Kinofilme – sehr viel Spaß beim Geisterjagen."